Fasten, verzichten, besinnen
Zunächst wünschen wir dem Papst natürlich, dass er sich gut von dieser aktuellen Gesundheitskrise erholt. Die Ärzte werden ihr Möglichstes tun. Das Leben auf dieser Erde aber ist endlich, ob wir es wollen oder nicht.
Gerade in dieser Zeit denke ich auch an meine Liebsten im engeren Umfeld, denen es nicht gut geht, oder die um einen Mitmenschen bangen. Ebenso wie die Familienmitglieder von ukrainischen und russischen Soldaten, von Menschen im Nahen Osten, im Sudan oder in anderen Konflikt- und Krisengebieten dies tun. Jeder Mensch ist wertvoll!
Egal wie man zur Fastenzeit steht und ob man im ursprünglichen Sinn fastet: Auch ohne kirchlichen Bezug nehmen viele Menschen die Zeit vor Ostern als Gelegenheit, auf etwas zu verzichten oder gewisse Gewohnheiten zu reduzieren.
Handyfreie-Zeiten, weniger Netflix, mehr Me-Time, weniger Süssigkeiten (wobei Schokolade angeblich auch in früheren Zeiten in der Fastenzeit erlaubt war!) und anderes mehr stehen auf dem Programm. Thomas Binotto vom forum hat dazu unter dem Titel «Die Zwölf» Informationen recherchiert, die im druckfrischen Magazin und online zu finden sind.
Auf was ich verzichten kann und will, sofern es in meinem Einfluss steht: auf Lieblosigkeit, auf Gartenhag-Denken in der Kirche, auf leere Worthülsen und leere Versprechungen, auf Sich-Drücken vor klaren Entscheidungen. Die Liste wäre noch zu ergänzen um politische, wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeiten in diesen Tagen und Wochen, die einem zeitweise das Gefühl geben, in einem schlechten Film zu sitzen. Aber leider ist es unsere aktuelle Realität.
Darum konzentriere ich mich am heutigen Weltgebetstag, der einen Bezug zu den so fernen Cookinseln herstellt, auf anderes. Die Inseln sind ein Paradies mit existenziellen Sorgen. Trotz tausenden Kilometern Entfernung, auf unserer Welt sind wir schicksalshaft verbunden, dass es uns nicht egal sein kann, was im Südpazifik passiert.
Die Welt verändert sich unaufhaltsam und wir müssen uns, um zu überleben, auch ein Stück weit anpassen, ob uns das passt oder nicht. Auch die Kirche. Die provisorischen Zahlen der Austritte lassen auch 2024 nichts Gutes erahnen.
Die Menschen möchten nicht per se die Kirche verlassen. Aber sie können auf sie verzichten und trotzdem weiterhin glauben. Sie glauben rational nicht mehr daran, dass sie in die Hölle kommen, weil sie nicht jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen, weil sie es nicht geschafft haben, eine Partnerschaft über Jahrzehnte zu retten, weil sie nicht gebeichtet haben oder weil sie aus der Kirche austreten.
Sie nehmen sich das Beste aus verschiedenen Religionen. Spiritualität wird vermehrt nachgefragt, aber eben auch ausserhalb der klassischen Kircheninstitutionen. Sie wollen nicht mehr Mitglied in einer Institution sein, die sich nicht auf ihre Lebenssituationen einlässt; die (offiziell) Menschen ausschliesst (Geschiedene, Wiederverheiratete, Frauen, LGBTQ+) und in der Prozesse derart langsam vorwärts gehen (Missbrauchsthematik).
Das kantonale Amt für Statistik hat im Auftrag der Direktion des Innern (JI) die Kirchgemeinden des Kantons zu personalrechtlichen Themen befragt. Darin kommt das JI zur Schlussfolgerung, dass vieles gut läuft, aber die Transparenz verbessert werden muss in unserem dualen System.
Die Medienmitteilung und der Bericht zeigen auf, in welchen Punkten Handlungsbedarf besteht. Es ist zu hoffen, dass die Umsetzung dazu zügig an die Hand genommen wird. Simon Spengler hat dazu Fragen des Pfarrblatts Bern beantwortet.
In dieser Fastenzeit können wir aktuell die ersten Frühlingstage geniessen, auch wenn das Wetter nächste Woche wieder kälter wird. Da lohnt sich ein Gang zur Messe Zürich, wo ab nächstem Mittwoch bis Sonntag die Giardina stattfindet.
Erstmals werden die reformierte und die katholische Kirche gemeinsam einen Stand an dieser Messe haben. Vorgestellt werden Gartenprojekte im Umfeld von Kirchen: Gemeinschaftsgärten, Klostergärten, Renaturierungsprojekte. Damit nehmen die Kirchen ihren Auftrag ernst, soweit möglich zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Engagiert sind die beiden Kirchen auch im Bereich Kultur, genauer gesagt bei verschiedenen Filmfestivals. Von wegen in einem schlechten Film sitzen in der aktuellen Realität: Im Kino können Sie tolle Filme sehen, unter anderem «Les Courageux». Er wurde beim Zurich Film Festival im vergangenen Herbst mit dem Filmpreis der Zürcher Kirchen ausgezeichnet.
Am Sonntag von 11 bis 13 Uhr gibt es dazu in Zusammenarbeit mit der Paulus Akademie eine Vorpremiere im Kino Riffraff in Zürich mit anschliessendem Gespräch über den Film. Die Regisseurin Jasmin Gordon wird vor Ort sein. Am nächsten Donnerstag ist dann der Filmstart in den öffentlichen Kinos. Hin-geh-Empfehlung! Denn das darin gezeigte Thema sollte uns nicht kaltlassen.
PS: Der Film «Konklave» wurde ebenfalls am ZFF gezeigt und ist auf heute als DVD angekündigt. Bei Redaktionsschluss waren die Bestellmöglichkeiten aber noch nicht freigeschaltet. Aber das Buch zum Film ist auch interessant und der Film schon auf verschiedenen Streaming Plattformen.
Was also tun an diesem strahlend schönen sonnigen Tag und am Wochenende? Im empfehle, sich mit lieben Menschen zu umgeben, die Gemeinschaft zu pflegen oder sich auch die Zeit zu nehmen, um in sich selbst hineinzuhören, zum Beispiel heute Abend an einer der vielen Weltgebetstags-Veranstaltungen in den Pfarreien.
Oder einen guten Film zu schauen, die Natur geniessen und einfach jeden Tag dankbar sein, dass wir in einem wunderbaren Land wie der Schweiz leben können, in Frieden und mit einem Dach über dem Kopf.
Ich habe mich in der Fastenzeit dazu entschlossen, mir jeden Tag zu überlegen, für was ich alles dankbar bin. Und das auch auszusprechen. Ich bin dankbar, in einem engagierten Team Kommunikation der Katholischen Kirche im Kanton Zürich arbeiten zu dürfen.
Ich danke Ihnen, dass Sie diesen Newsletter zu Ende gelesen haben, sich von der einen oder anderen Notiz vielleicht inspirieren lassen und dass wir im Austausch sind und bleiben.
Ein wunderbares Wochenende und viel Liebe wünsche ich Ihnen.
Herzlich
Sibylle Ratz
Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.
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Ein genialer Artikel! Ganz herzlichen Dank dafür! Sie sprechen mir aus dem Herzen!
Franz-Othmar Schaad , Sozialarbeiter Pfarrei Bruder Klaus Zürich
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