Über uns

Alles dreht sich um Evas Apfel

Informationsbeauftragte, stellvertretende Bereichsleiterin
Sibylle Ratz
Sibylle Ratz
Fragen stellen heisst, Antworten einfordern und zu bekommen. Antworten, die vielleicht nicht so ausfallen, wie man sie gerne hätte. Und wenn man keine Antwort bekommt, ist das auch eine Antwort (Philosoph Paul Watzlawick lässt grüssen). Und trotzdem liegt es in der Natur des Menschen, Fragen zu stellen. Das ist seit dem Paradies und dem Apfel der Erkenntnis so.
04. April 2025

Wir haben Fragen gestellt. Genauer gesagt, das Meinungsforschungsinstitut Sotomo im Auftrag der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Heisst, wir haben in den sauren Apfel gebissen. Diese Woche wurden die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von Ende letzten Jahres bekanntgegeben.

Die Fragen wurden in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zwischen Synodalrat und Generalvikariat erarbeitet, um möglichst objektiv herauszufinden, was die Menschen über die Kirche wirklich denken. Die Umfrage dient zur Bestandesaufnahme, auf deren Basis Massnahmen zur Verbesserung der Reputation angegangen werden können.

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Bei den Resultaten, sprich den Antworten, kam nicht das heraus, was sich einige Personen innerhalb der Kirche gewünscht hatten. Die Menschen sehen zwar, was die Kirche im sozialen Bereich und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leistet; wie sie da ist, wenn Seelsorge und Hilfe gebraucht wird. Aber die Reputation ist schlecht und jede/jede Vierte denkt ernsthaft darüber nach, aus der katholischen Kirche auszutreten. Das ist ein Fakt.

Das Statistische Amt hat dazu ebenfalls Zahlen geliefert. Die Mitgliederzahl der Katholikinnen und Katholiken im Kanton Zürich ist 2024 um weitere 10 038 Personen geschrumpft, davon waren 7 261 Austritte. Das ist auch Fakt. Weniger Austritte als im Rekordjahr 2023, aber immer noch sehr viele. Bleiben 337 564 eingeschriebene Katholikinnen und Katholiken in Zürich. 2020 waren es noch 376 000 Personen.
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Die Menschen sind nicht blind. Sie sehen, wie sich seit Jahren und Jahrzehnten die Institution Kirche von ihrer Lebensrealität entfernt. Sie sehen, dass viele Worte gesagt werden, aber die Taten nur zögerlich, langsam oder gar nicht erfolgen.

Wie geht die Kirche, wie ging die Kirche jahrelang mit Missbrauch in den eigenen Reihen um? Wie kann es beispielsweise sein, dass die Schweizer Bischofskonferenz zwar eine Stellungnahme abgibt zum Fall Scarcella im Wallis, aber es zu keinen Konsequenzen führt? In diesem Fall wohl eher ein Biss in einen faulen Apfel, wenn wir beim BIld von Evas Apfel bleiben.
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Eine Strassenumfrage des Pfarrblatts Bern zeigt ein ähnliches Bild wie die Sotomo-Umfrage. Als erster Gedanke an die katholische Kirche dominiert das Missbrauchsthema. Die sozialen und kirchlichen Angebote werden zwar auch geschätzt.

Aber wieder: Es braucht eine klare Aufarbeitung, kein Unter-den-Teppich-kehren, eine offene, ehrliche Auseinandersetzung – und einen spürbaren Wandel. Dann erst kann Vertrauen wieder hergestellt werden. Dann erst werden Menschen wieder selbstbewusst sagen «Ich bin gläubig, ich bin Christ / Christin, ich bin Katholik / Katholikin.»
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Dass Kirche und Religion immer wieder auch politische Dimensionen annehmen, zeigt sich aktuell wieder am Fall der Schweizer Musikerin Bernarda Brunović. Die Mitarbeiterin in unserer Spital- und Klinikseelsorge wurde kürzlich vom M4Music-Festival ausgeschlossen. Weitere Konzertauftritte wurden ebenfalls abgesagt. Das hat meine Kollegin schon letzte Woche im Newsletter berichtet.

Auslöser war die Kritik eines feministischen Kollektivs an Brunovićs Performance am «Marsch fürs Läbe» in den Jahren 2022 und 2023, einer jährlichen Demonstration gegen das Recht auf Abtreibung.
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Brunović ist blind in Kroatien geboren kam als Kleinkind in die Schweiz. Sie selbst konterte: «Wir können verschiedene Meinungen haben … trotzdem hat jeder einzelne Mensch … seine unantastbare Würde.» Sie sei einfach ihren Eltern unendlich dankbar, dass sie «Ja» zu ihr gesagt hätten. Mittlerweile gibt es dazu aber sogar eine Anfrage an den Regierungsrat durch die EDU.
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Über einen bereits Mitte März veröffentlichten Artikel zum Diskurs über den Umgang mit Sexualität in der Gesellschaft und innerhalb von Religionsgemeinschaften auf religion.ch bin ich erst heute gestolpert. Aber die sachliche Aufzeichnung über die Spannungsfelder lohnt sich zu lesen. Vielleicht am Sonntag, wenn das Wetter wieder weniger frühlingshaft sein soll.

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Die RKZ hat sich auch zur Studie geäussert. In einem Interview mit kath.ch äusserst sich deren Präsident, Roland Loos: «Die Kirche gibt vielen Menschen einen festen Halt in wichtigen Lebenssituationen» und «Ich bleibe weiterhin mit grossem, positivem Einsatz dabei und glaube an die Zukunft der Kirche.» Auch die RKZ setzt sich dafür ein, dass die Themen Missbrauch, die Stellung der Frauen, die längstens überholte Sexualmoral der katholischen Kirche sowie die Ausschliessung von Menschen so nicht mehr tragbar sind. Die Kirche muss sich wandeln.

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Zaghafte Versuche gibt es. Unser Bischof fragt sich, fragt uns gerade, ob es künftig in unserem Bistum einen oder zwei Weihbischöfe braucht. Er fragt uns alle. Sie können hier an der Umfrage teilnehmen. Allerdings nicht anonym. Er möchte schon gerne wissen, wer was schreibt.

Tun sie es trotzdem! Lassen Sie unseren Bischof wissen, was sie denken und was sie sich wünschen. Nichts sagen ist auch eine Antwort. Dann ist es Ihnen egal. Sollte es uns aber nicht sein. Denn es kann uns allen nicht gleichgültig sein, wie es mit der Kirche, mit der wir mehr oder weniger verbunden sind, weitergeht.

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Und auch wenn diese Umfrage nicht unumstritten ist. Das Ganze wird in den sozialen Medien heiss diskutiert und die Meinungen sind nicht nur erfreut. Die Fragestellung mag teilweise sonderbar wirken. «Soll ein Weihbischof kommunikativ sein?» ist eine der Fragen, die zu reden gibt. An der Basis ist die Antwort schnell gegeben: Ja, klar! Was den sonst?

Das erwarten wir von allen Priestern und Seelsorgenden und erst recht von einem Bischof, einem Weihbischof und einem Generalvikar. Ansonsten sind es die falschen Personen an diesen Positionen. Ausser ich habe die Aufgabe dieser «Führungspositionen» wieder einmal völlig falsch verstanden, weil ich nicht Theologie studiert habe und eine Frau bin.

Really? Auch kirchliche Mitarbeitende, Männer und Priester stellen sich diese Frage. Ich bin also nicht alleine mit meiner Meinung. Mehr echtes Leben würde allen guttun, um auch die Sorgen und Nöte der Menschen WIRKLICH nachvollziehen zu können.
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Kommen wir nochmals zur Reputationsumfrage zurück. Bei den Missionen und Migranten zeigt sich das Bild von der katholischen Kirche positiver. Die Gottesdienste sind voller, es ist auch bei Jugendlichen mehr angesagt, freiwillig (?) intensiver am kirchlichen Leben teilzunehmen. Wie ein Kommentar via Social Media geschrieben hat, sind auch die Fragenstellungen nicht so kritisch wie in der übrigen Gesellschaft.

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Das mag nachvollziehbar sein, weil Familienbunde im «Exil» oder in einer neuen Heimat noch viel wichtiger sind, weil die Muttersprache anders verbindet. Und weil «Kirche» innerhalb der Familie noch viel mehr Tradition hat und gelebt wird.

Es stellt sich hier die Frage, wie sich die Pastoral entwickeln soll. Dessen Projektleiter beim Generalvikariat hat kürzlich gekündigt und widmet sich in Zukunft einer anderen Herausforderung. Vielleicht braucht es hier aber einfach mehr gemeinsame Entwicklung von allen Ebenen unserer Kirche?

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Gute Nachrichten verbreiten sich durchaus. Nur werden sie weniger wahrgenommen. Zwei Sendungen der Musikwelle von SRF, die sich mit Sitzwachen im Spital Winterthur befassen, wurden gerade erst letzte und diese Woche ausgestrahlt. Ab sofort können sie auch online nachgehört werden (Sendungen vom 27. März und vom 3. April). Nehmen Sie die Gelegenheit in einer ruhigen Minute wahr.

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Gute Nachrichten zum Zweiten: In Winterthur wird die Pfarrei Peter und Paul am Sonntag die Auszeichnung zur Milleniumsmillon-Pfarrei überreicht. Dies als wertschätzende Anerkennung, weil die Pfarrei seit dem 1. Januar 2000 mehr als 1 Million Franken für die Projekte von Fastenaktion gesammelt hat. Das wird am Sonntag in einem Gottesdienst 9.30 Uhr gefeiert.

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Zum Schluss möchte ich noch aus einer Artikel von katholisch.de zitieren: «Hoffnung heisst auch: Dem Leiden leidenschaftlich entgegentreten im Wissen darum, dass eine andere Welt möglich ist. Hoffnung ist eine Frage der Haltung.»

Und es lohnt sich unter dem Strich für uns alle, wenn wir tatkräftig daran arbeiten, dass unsere Kirche wieder Hoffnung, Stärke und Liebe gibt, statt Strafen, Ausgrenzung und Schuldgefühle. Das ist es, was wir in der heutigen Welt brauchen.

Haben Sie zu Hause noch Äpfel vorrätig: Backen Sie einen Apfelstrudel oder Apfelkuchen und geniessen Sie ihn mit Ihren Liebsten. Danke, Eva!

Herzlich
Sibylle Ratz
 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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